Metro in Moskau – Eine Geschichte für sich

Wie als wollten uns unsere Nachbarn für die Erfahrung entschädigen, beginnt danach ein gutes Beispiel für russische Gastfreundschaft. Die Damen bieten uns Tee an. Als wir dankend den Tee ablehnen, da wir selber welchen haben, bekommen wir Plätzchen offeriert, die wir zumindest gerne probieren. Als ich schwer husten muss und mir Hustensaft einverleibe, bekomme ich sofort von einer der Damen Zitrone angeboten und kann mir eine heiße Zitrone machen.

Jede noch so kleine deutsche Vokabel, die ihnen bekannt mit Shoepassion Damen ist, wird ausprobiert. Unser russischer Honig wird kommentiert und für gut befunden, während Peer schon in einer Unterhaltung mit dem englischsprachigen Nachbarn verstrickt ist, dankend das Bier ablehnt aber gerne auf eine Zigarette mit ihm geht. Derweil ich von dem älteren Mann, der bis dato noch recht schweigsam war, auf Deutsch angesprochen werde. Er ist Ingenieur und hat fünf Jahre lang in Magdeburg gearbeitet, wohnt nun in Kiev und besucht seine Schwester in Yekaterinburg.

Wir fahren vier Stunden gemeinsam mit diesen vier Menschen im Zug, und als wir aussteigen, verabschieden wir uns herzlich voneinander, wünschen uns alles Gute, richten Grüße an die Bekannten und Verwandten aus, die in Yekaterienburg und Kazan warten und bekommen viel Glück für unsere weitere Reise gewünscht. Ich bin mir sicher, wären wir an ein gemeinsames Ziel gefahren, wir wären nicht um einen Besuch herumgekommen. Und gerne mitgekommen.

Als wir im Bus zu unserem Hostel sitzen, denke ich kurz an Moskau und mir fällt ein, dass ich völlig gehetzt und entnervt in den Zug gestiegen bin. Ich lächle entspannt, es kommt mir vor wie vor einer Ewigkeit. Ich kann mich kaum noch daran erinnern wie es war.

Wir erreichten Moskau morgens um fünf. Die Metro öffnet hier um halb sechs. Ein leichter Regen setzte ein und ein eisiger Wind ließ uns frieren. Mit uns warteten viele Hundert Menschen vor eisernen Gittern auf das Öffnen der Metro und vermittelten uns einen ersten Eindruck von einem der am stärksten in Anspruch genommenen U-Bahn Systeme der Welt.

Entgeistert bestaunten wir die Menschenmassen und waren uns sofort einig, den ersten Zug erst mal passieren zu lassen. Doch das half nichts. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass die Metro hier zu Stoßzeiten im Minutentakt und ansonsten in etwa dreiminütiger Taktung verkehrt. Die Züge sind immer voll. Und zwar richtig voll.