Moskau in anderem Lichte

Hallo Freunde, ihr denkt doch hoffentlich nicht, dass euer Stan seine Begeisterung an eurem Tripp verloren hat. Pah! Natürlich nicht! Nur das Kommentieren blieb aus. Wo seid ihr jetzt? Moskau scheint ihr ja verlassen zu haben. Es war spannend, mitzuerleben, WIE unterschiedlich Moskau auf euch beide gewirkt hat. Ich glaube, die unterschiedliche Wahrnehmung hatte hierbei was mit gesund oder grippig zu tun.

Mufti, wie geht es dir jetzt? Wieder fit? Habt ihr euch jetzt lange Unterhosen gekauft? Die maps-Route von Christine find ich übrigens richtig spitze! Ich freue mich schon darauf, wenn sie in einigen Wochen ein ganz anderes Maß angenommen hat! Es grüßt euch aus der langsam winterlich werdenden Heimat

Basilius-Kathedrale: Nach den ersten doch recht drastischen und bisweilen erschütternden Eindrücken, die hier von Moskau vermittelt wurden, sehe ich mich in der Pflicht, Moskau in einem anderen Lichte zu präsentieren.

Zugegeben, kommt man vom wunderschönen St. Petersburg mit basler damenbekleidung kaufen nach Moskau, ereilt einen gelinde gesagt ein Kulturschock. Hier Glanz und Gloria der Zarenzeit mit viel Zuckerguss filigran in Marmor graviert, dort der globale Herrschaftsanspruch kommunistischer Ideologie mit Hammer und Sichel in monolithischen Fels gehauen. Trotzdem ist Moskau eine der, wenn nicht gar die größte Metropole Europas, die auf alle Fälle einen zweiten Blick verdient hat.

Es mag an der grippegeschwächten Wahrnehmung meines Vorredners liegen (denn der russische Herbst ist nichts für jedermann) oder aber an der Tatsache, dass wir tatsächlich Pech mit unserem Timing hatten: Der Rote Platz wurde durch die Vorbereitungen auf ein Festival seiner Imposanz beraubt, das Lenin Mausoleum und die politische VIP-Tribüne waren komplett gesperrt, das prachtvolle Hauptportal des GUM-Kaufhauses hinter einer Bühnenkonstruktion verborgen und auch der Schneeregen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt lud nicht wirklich zum Erkunden der Stadt ein. Dennoch, Moskau ist einmalig.

Moskau ist groß. Moskau ist gewaltig. Der Großraum Moskau ist mit gut 15 Mio. Einwohnern die mit Abstand größte Agglomeration Europas. Und das merkt man. Man merkt es an den Dimensionen. Jeder Weg ist weit, jede Straße breit und jede Metro voll. Moskau ist tatsächlich nicht gerade schön, aber es ist schlicht und ergreifend beeindruckend. Es ist imposant. Es vermag einen zu erschlagen. In Moskau pulsiert das Leben. Und zwar das Leben in all seinen Facetten.

Sicherlich ist die Diskrepanz zwischen den „Neuen Russen” (also den Neureichen) und denen, die beim Systemwechsel auf der Strecke geblieben sind, nirgends so sichtbar wie in Moskau. Hier geht die Schere am weitesten auseinander. Hier gibt es nur die Extreme. Doch so ist es eben in einer Metropole.