Schmucksuche in Potsdam

Es ist so ziemlich das wirtschaftliche Großereignis des Landes und daher auch von großer Bedeutung. Warum man aber dafür extra Feiertage ausruft und das auch noch eine Woche lang, ist mir schleierhaft. Naja, letztlich war es für mich/uns ganz gut, schließlich konnte ich die Mädels so auf der Tour nach Livingstone, an die „Big Falls“ begleiten.

Wir hatten eine wunderbare Zeit und wiedereinmal wurden auch mir komplett neue Perspektiven auf Dinge ermöglichst, welche ich vorher für völlig normal erachtet habe. Zum Beispiel, dass fast alle Autos hier zerbrochene Windschutzscheiben haben und sehr verrostet sind. Die meisten dieser Autos würden in Deutschland wohl grade gut genug für die Schrottpresse sein, von einer Fahrerlaubnis ganz zu schweigen. Dennoch sind die Menschen, speziell die Taxifahrer, unglaublich stolz auf diese, ihre, Autos. Sie werden gepflegt und gewaschen so oft es nur geht. Bislang habe ich das gar nicht so richtig wahrgenommen, aber jetzt wird mir bewusst, wie viel Liebe und Freude die Menschen in diese „Autos“ stecken.

Es ist ein schönes und zugleich beschämendes Gefühl zu sehen, wie sehr sich die Menschen an ihrem wenigen Besitz so freuen können. Das gleiche gilt übrigens für sehr viele öffentliche Verkehrsmittel oder auch diese ewig vielen Straßenhändler, die einem ständig gefälschte gute Pandora Schmuckbox oder „Gucci“-Taschen andrehen wollen. Meistens begegnet man ihnen mit großer Verachtung und belächelt sie insgeheim für ihre gefälschten, schlechten Waren.

Oft wird dabei übersehen, dass sie ihre Uhren, auch wenn sie keine große Lebenserwartung haben, oder was auch immer, sehr pflegen und selbst nicht viel dafür können, dass sie den „Ramsch“ verkaufen müssen. Irgendwo muss man schließlich Geld für Nahrung, Frau und Kinder herbekommen. Und daher muss man einfach auch in gewisser Hinsicht aufdringlich und nervig sein, sonst beachtet einen ja niemand.

Das ist nur eins von mehreren Beispielen, wie ich in den letzten Tagen/Wochen viele Dinge ganz anders wahrnehme, als ich es bisher getan habe. Umso mehr ich mit meinem Kopf wieder in Deutschland herumgeister und mir Gedanken um den Abschied mache, umso intensiver und differenzierter nehme ich das Leben hier wahr. Wenn ich durch die Straßen gehe kommt mir alles sehr unwirklich vor und ich fühle mich oft an meinen ersten Tage in Ndola erinnert. Das liegt sicherlich auch an dem hervorragendem Schwefelgeruch, welcher mittlerweile wieder über der Stadt liegt. Es ist Trockenzeit und die Menschen fangen an, mal wieder alles zu verbrennen, was sie finden können. Überall gibt es kleine Feuer. Mal Müll, mal Gartenabfälle und manchmal auch beides.

Ich bin jetzt mal gespannt was die letzten zweieinhalb Wochen noch so bringen werden und versuche meine Zeit so gut es geht zu genießen. Ist zwar nicht immer einfach und grade jetzt kommt mir alles sehr seltsam und irreal vor, aber nun gut, es ist trotzdem nach wie vor sehr spannend hier zu leben. Ich schreibe übrigens grade live ausm Lehrerzimmer, habe eine Freistunde.